Energie aus Kohle
  Kohlenhobel GH42
 

Der durch die Kohle gleitet


Die engagierte Forschungs- und Entwicklungsarbeit der RAG, in Zusammenarbeit mit Zulieferern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, ist mit ein Garant für den hohen Standard des im untertägigen Steinkohlenbergbau eingesetzten Hightech-Equipments. Ein Beispiel dafür bietet die Gleithobelanlage GH 42.

Seltener Blickwinkel: der Gleithobel GH42 von der
Kohlenstoßseite her gesehen
Die Leistungsfähigkeit der schälenden Gewinnung ist - stärker als bei der schneidenden Gewinnung - abhängig von der Kohlen-, beziehungsweise Bergefestigkeit im Flöz. Falls die Notwendigkeit zur Mitnahme von Nebengestein über der Abbaulänge besteht, nimmt auch die Schneidbarkeit des Nebengesteins im Liegenden oder Hangenden Einfluss auf die Anwendbarkeit des schälenden Gewinnungsverfahrens. Durch die Weiterentwicklung der Hobeltechnik in Verbindung mit Antriebstechnik, Rückeinrichtungen und Steuerungen, Sensorik und Maschinen- und Anlagenteilen sowie Ketten dringt der Einsatz von Hobeln heute auch in geologisch schwierige Flöze hoher Festigkeit vor.

Mit der Hobelanlage GH 42 (Gleithobel mit 42er Hobelkette) wurde eine neue, leistungsfähige Gewinnungsanlage insbesondere für harte Kohle entwickelt, die die seit zirka 15 Jahren als Standard bei der RAG eingesetzte Gleithobeltechnik optimierte. Beim Gleithobel gleitet der Hobelkörper kohlenstoßseitig auf einer Hobelführung. Die Kettenführung des Hobels erfolgt ebenfalls auf der Kohlenstoßseite des Strebförderers. Eine definierte Höhensteuerung erfolgt über die Hobelführungen. Auf der Versatzseite sind die Hobelanlagen mit so genannten Auslegersteuerungen ausgerüstet. Diese Auslegersteuerungen besitzen Steuerzylinder, die die Kohlenstoßseite der Hobelführungen anheben beziehungsweise absenken, so dass der Hobel bei Vorbeifahrt entweder tauchen oder klettern kann.

 
Von September 2003 bis Juni 2004 dauerte der erste Unter-Tage-Einsatz des GH 42-Prototyps im 400 Meter langen Streb im Flöz H auf dem Bergwerk Prosper-Haniel, einem Betriebspunkt mit anspruchsvoller Geologie. Bereits dort machten die Entwickler viele Erfahrungen und gewannen Erkenntnisse über das neue Gewinnungsgerät. Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Über die gesamte Baulänge brachte der Betrieb eine Förderleistung von 6100 Tonnen Kohle am Tag. Insgesamt 1,1 Millionen Tonnen Kohle förderte der Erstbetrieb während seiner Laufzeit. Spitzenwerte erreichte die Anlage darauffolgend in der Bauhöhe 201, Flöz Q, mit einer durchschnittlich täglich erreichten verwertbarer Förderung von 10.322 Tonnen, einem Abbaufortschritt von 11,5 Metern am Tag und einen Flächenverhieb von 12,46 Quadratmetern in der Minute. Diese Anlage ist immer noch im Einsatz und hat bisher zirka fünf Millionen Tonnen Rohkohle gewonnen. Durch die verschleißfeste Ausführung wurde ein mehrmaliger Direktumzug ohne Zwischeninstandsetzung ermöglicht.

Mit der GH 42-Anlage erreichte man eine Steigerung der Gewinnungsleistung um mehr als 100 Prozent. Dazu wurde unter anderem die Antriebsleistung von 2 x 400 auf 2 x 800 Kilowatt verdoppelt und der Hobelkettendurchmesser von 38 auf 42 Millimeter erhöht. Diese Drehzahl-gesteuerten Antriebe lassen den Hobel sanft anlaufen und schonen so die Hobelkette. Gleichzeitig erhielten die Antriebe des Strebförderers jeweils einen 1000 Kilowatt Frequenz-Umrichtermotor. Festzustellen bleibt, dass die standardisierte Hobelanlage unter schwierigen Bedingungen eine deutliche Leistungssteigerung bei geringerem Verschleiß ermöglicht.

Insgesamt acht Anlagen der neuen Hobel-Generation sind bei der RAG im Einsatz. Weitere Anlagen sind in der Beschaffung und ein Ersteinsatz auf dem Bergwerk Saar soll im Jahr 2009 folgen.

Quelle:
Steinkohle, Das Mitarbeitermagazin der RAG Aktiengesellschaft, 07/2008, Ralf Pahl

 
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